Kein „Firmensklave“: Bewerber aus Gen Z denkt an Work-Life-Balance

Quelle: merkur.de_

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Jungen Arbeitnehmern wird oft eine mangelnde Leistungsbereitschaft vorgeworfen. Manche Recruiter verzweifeln an den hohen Ansprüchen der Gen Z.

Die Generation Z hat nicht unbedingt den besten Ruf in der Arbeitswelt. Immer wieder heißt es, dass diese demografische Gruppe verwöhnt, arbeitsscheu oder gar faul sei. Junge Beschäftigte sind nach der Ansicht vieler Personaler nicht dazu bereit, harte Arbeit zu leisten und sich Herausforderungen zu stellen. Tatsächlich steht das Thema Work-Life-Balance wegen der Gen Z vermehrt im Fokus. Immer wieder wird die Forderung nach einer 4-Tage-Woche laut. Manche Ansprüche der jungen Arbeitnehmer treiben die HR-Manager allerdings zur Verzweiflung.

Recruterin über Gen Z: „Gott segne die Zukunft der Arbeit“

Junge Beschäftige wollen für möglichst viel Geld möglichst wenig arbeiten – so oder so ähnlich denken die meisten Personaler über die nachrückende Generation am Arbeitsmarkt. Eine Recruiterin erzählt eine dazu passende Geschichte aus ihrem Arbeitsalltag auf X (früher Twitter).

„Ich habe heute ein Vorstellungsgespräch mit einem Praktikanten der Generation Z geführt und er sagt, dass er eine Work-Life-Balance mit nicht mehr als 5 Stunden Arbeit anstrebt. Er mag die Multinational-Corporation-Kultur nicht und möchte in einem Start-up arbeiten. Außerdem wünscht er sich ein Gehalt von 40.000 bis 50.000 Dollar. Gott segne die Zukunft der Arbeit“, schrieb Sameera Khan, die in Indien für die Mitarbeiter-Plattform InFeedo arbeitet. Außerdem habe der Bewerber eine Vorauszahlung von 600 Dollar gefordert.

Netz-Community diskutiert über Ansprüche der Gen Z

Khans Beitrag wurde mittlerweile über 800.000 Mal aufgerufen und löste eine lebhafte Diskussion im Netz aus. Viele User übten starke Kritik am Verhalten der Gen Z am Arbeitsplatz. „Ich stelle jedes Quartal Bewerber aus der Gen Z ein und sie können überhaupt keinen Druck aushalten, erwarten aber eine riesige Menge Geld. Sie sind kreativ, aber sie nehmen Jobs als selbstverständlich hin“, äußerte sich ein Nutzer. Ein weiterer schrieb: „So wahr! Habe gerade einen jüngeren Cousin getroffen, der das ‚9-to-5-Modell‘ ablehnt, weil es seine Gaming-Zeit stört. Die Zukunft ist faszinierend!“

Doch es gibt auch User, die Verständnis für die junge Generation zeigen. „Gott sei Dank stellt zumindest die Gen Z Erwartungen auf und willigt nicht ein, ein Firmensklave zu sein, der kein Leben hat und nur arbeitet. Gut für sie“, hieß es so. Ein anderer lobte, dass die jungen Arbeitnehmer „neue Perspektiven“ erschließen würden: „Es ist inspirierend zu sehen, dass die Generation Z die Work-Life-Balance priorisiert und ein erfüllendes Umfeld anstrebt. Ich wünsche ihnen das Beste.“

Recruiterin: Work-Life-Balance ist nicht alles

Angesichts der hitzigen Diskussion äußerte sich Sameera Khan erneut zu ihrem Tweet. Es sei „großartig“, von Anfang an Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance zu legen. Gerade als Berufseinsteiger und Praktikant sollte man jedoch zunächst auf andere Aspekte wie Lernmöglichkeiten und Wachstumschancen achten. „Das Gleichgewicht stellt sich irgendwann ein“, so Khan.

Die ersten Praktika sollten dazu genutzt werden, um das eigene Verständnis von Arbeit zu definieren. Eine kürzere Arbeitszeit bedeute außerdem nicht automatisch eine bessere Lebensqualität. „Stellt euch vor, ihr habt eine gute Work-Life-Balance, aber hasst die fünf Stunden Arbeit, die ihr leisten müsst oder die Leute, mit denen ihr zusammenarbeitet“, erklärte die Recruiterin.

Gen Z vs. Personaler: Zwei unterschiedliche Welten?

Sind die Ansichten von Gen Z und Personalern also grundsätzlich unvereinbar? Nicht unbedingt. Eine Umfrage der Unternehmensberatung ZCG und des Marktforschungsinstituts Kantar zeigt, dass die Kluft zwischen diesen beiden Welten gar nicht so groß ist. Mit Hinblick auf eine mögliche Vier-Tage-Woche gaben 64 Prozent der befragten Personaler an, dass die Produktivität im Vergleich zur Fünf-Tage-Woche gleich ausfalle. Bei den Befragten aus der Generation Z waren es laut Business Insider 65 Prozent – also ungefähr genauso viele. Beide Gruppen würden außerdem jemanden einstellen, der nach zwei Jahren einen neuen Job antritt.

Und: Nur sechs Prozent der jungen Arbeitnehmer würde für eine Firma arbeiten, die ausschließlich online aufgestellt ist. 46 Prozent der Befragten aus der Gen Z halten das Büro noch immer für wichtig. Damit übertreffen sie sogar das Ergebnis der Personaler.